Zeitenwende in der Bildungspolitik - Expertenanhörung der CDU im Bezirksfachausschuss Bildung

Vom Rückgang der Coronaeinschränkungen im Alltag haben sich viele wieder mehr Normalität auch in der Bildungspolitik erhofft. Doch der brutale Krieg in der Ukraine hat diesen Wunsch jäh zurückgedrängt. Stattdessen müssen wir uns mit einer Zeitenwende auseinandersetzen. Steht diese Zeitenwende auch in der Bildungspolitik an?

Eine Diskussion und Information erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der 93. Sitzung des Bezirksfachausschusses Bildung in einer Videokonferenz mit hochkarätigen Referenten.

Der Bildungspolitische Sprecher der CDU Fraktion und Vorsitzender des Arbeitskreises Kultus, Jugend und Sport, Dr. Alexander Becker, zeigte die Themen der Landespolitik als große Baustellen auf: Der Fachkräftemangel wird vor allem auch den Primarbereich und die Sekundarstufe 1 treffen. Dem muss unter anderem mit mehr Ausbildungsgängen und Absolventinnen und Absolventen begegnet werden. Aber auch die emotional-sozialen Folgen der Coronapandemie für die Schülerinnen und Schüler ist beträchtlich. Dabei zeigt sich, dass diejenigen Kinder noch mehr beeinträchtigt sind, deren Elternhaus sie nicht auffangen kann. Gerade deren Chancengleichheit muss Herzensanliegen werden. „Zur Stärkung der Chancengleichheit gehört auch eine Stärkung der Elternarbeit, um ein chancengerechteres Umfeld zu gestalten“, so Renate Heinisch, Vorsitzende des Bezirksfachausschutz Bildung aus Boxberg.


Zudem sollen auch Schülerinnen und Schüler nach ihren Begabungen und Interessen gefördert werden. Der Ausbau der Ganztagsbetreuung bzw. Ganztagsschulen ist ein ebenfalls ein wichtiger Pfeiler. „Durch die Ganztagsschule bzw. die flexible Betreuung können sowohl Chancengerechtigkeit, individuelle Förderung sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht werden.“, so Manuel Agostini. Es gilt, nun ein qualitativ hochwertiges Angebot flächendeckend zu schaffen. Dabei müssen lokale Akteure klug einbezogen werden.


Nico Gasch, der Landesvorsitzende der Schüler Union, brachte einen Vier-Stufen- Plan im Bereich “Mental Health” ins Gespräch. Ihm zufolge sollen bestehende, seelsorgerische Angebote an Schulen finanziell abgesichert und ausgebaut , dabei aber zusätzlich durch externe psychotherapeutische Beratungsangebote ergänzt werden. Außerdem wurden zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine in Klassen aufgenommen. Im Vergleich zur Flüchtlingswelle 2015 sind darunter jedoch mehr Kinder
und Frauen, sodass damals stärker die Beruflichen Schulen betroffen waren.
Volker Schebesta, Staatssekretär am Ministerium für Kultus, Jugend und Sport,
griff einige Themen aus der aktuellen Politik auf: Die frühkindliche Bildung soll durch mehr Ausbildungsplätze an den Fachschulen gestärkt werden.

Bei Thema Lehrkräftemangel muss diskutiert werden, dass es in der Vergangenheit nicht zu wenig Bewerberinnen und Bewerber für Lehramtsstudiengänge gab, sondern zu wenig Studienplätze.
Gegenwärtig gäbe es sogar – in unattraktiven Regionen - freie Stellen für Lehrkräfte; manche Absolventinnen und Absolventen würden lieber als Krankheitsvertretung arbeiten.

Mit Bedenken sieht Prof. Edeltraud Roebe den Trend von Eltern, ihre Kinder an
privaten Grundschulen anzumelden, um ihnen optimale Bildungsbedingungen im Vergleich zur Regelschule zu bieten. Dies gefährde die Gründungsidee der Grundschule, die in einem gegliederten Bildungssystem sich als Ort sozialer Integration unterschiedlicher Milieus verstehe und über ihre Bildungsarbeit eine besondere gesellschaftliche Kohäsionskraft zu entwickeln habe. Vor diesem Hintergrund sei es nach wie vor unverständlich, weshalb die Lehrkräfte der Grundschule sowohl in Studium, Bezahlung und Professionalität den anderen Lehrämtern nicht gleichgestellt sind. Wie immer sorgte die Diskussion zur gewünschten Rückkehr zu G9 der gymnasialen Elternschaft für kein einheitliches Bild. Lehrkräfte erhielten so genügend zeitlichen Spielraum, um individuell fördern zu können, aber die Möglichkeit hätten, ein zeitgemäßes
Curriculum (z.B. mit integriertem Schüleraustausch mit europäischen Ländern) zu realisieren. Dr. Becker wird diesen Themenkomplex weiter in der Fraktion auf die Tagesordnung setzen.
Bezirksvorsitzender und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Deutschen Bundestag, Steffen Bilger, wird bei der nächsten Sitzung des Bezirksfachausschusses mit Referentinnen und Referenten über die Bildungspolitik im Bund referieren. Darauf konnte er zu Sitzungsbeginn kurz bei seiner Begrüßung hinweisen.